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Twins, Johan Tahon,
Skulptur vor dem Landeskirchenamt Hannover

Twins, Johan Tahon, Skulptur vor dem Landeskirchenamt Hannover

Machttransparente Kirche



1. Macht und Machtmissbrauch: ForuM-Studie 24.1.2024

Seit Veröffentlichung der ForuM-Studie am 24.1.2024 ist das Thema: Macht und Machtmissbrauch auch in der evangelischen Kirche auf der Tagesordnung. Wähnte man sich bis dahin sicher, in den Kirchen der Reformation gäbe es keine Macht und darum auch keinen Machtmissbrauch, dann muss man spätestens seit dieser epochalen öffentlichkeitswirksamen Studie umdenken. Macht wurde in der evangelischen Kirche geleugnet, verschwiegen, verschleiert. Macht war außerhalb der Kirche, in den politischen Sphären, in der Kirche galt: "sine vi (humana) sed verbo", CA 28. Heute wissen wir, dass intransparente Machtstrukturen, die Verantwortungsdiffusion in den leitenden evangelischen Gremien und Ämtern, gefährlicher sind als klare Hierarchien und eine Ekklesiologie, die sich über CA 28 hinaus eine Ordnung gibt.

2. sine vi sed verbo - Über die Macht der Worte und des Wortes

Die sogenannte "Logokratie" nahm für sich in Anspruch, dass anders als die "Herrscher dieser Welt, die ihre Völker niederhalten" (Mt 20,25), in der Kirche in Liebe und Einmütigkeit "sine vi sed verbo" regiert würde. M. Josuttis benennt das schon 1993 als genuines Problem des Protestantismus: "Es liegt auf der Hand, dass gerade der Protestantismus im Umgang mit Macht immer besondere Schwierigkeiten gehabt hat. [...] Macht ist in der Kirche verboten. Macht ist Gott vorbehalten."1 Infolgedessen entstehen protestantische Narrative der Macht, die Illusion einer machtfreien Kirche, die eine reale Aushandlung von Macht und die Offenlegung von Konflikten unmöglich machen. Es gibt die Theorie, dass der Begründer der Zivilisation derjenige war, der als erster seinem Feind ein Schimpfwort anstelle eines Pfeiles entgegenschleuderte. Worte sind die mächtigste Waffe, welche die Menschheit benutzt. Worte sind keine Gewalt, aber sie sind machtvoll. 2

Abschließend sei verwiesen auf die ForuM-Studie, S. 756, wo es heißt:
"Die Unsichtbarmachung von Hierarchie und die Tabuisierung des Sprechens über Macht verhindern die Möglichkeit der Kritik an bestehenden Verhältnissen. Das Selbstbild einer Hierarchielosigkeit ermöglicht dabei eine Verschiebung von Verantwortung, da niemand zuständig erscheint, niemand belangt werden kann."

3. Die Paragraphen 79-80 PfDG.EKD: Auch Mobbing ist Machtmissbrauch

Die Ergebnisse der Forum-Studie in Bezug auf Sexualisierte Gewalt haben ans Licht gebracht, was bereits in anderer Form auf anderen Ebenen erlebt wurde: Ohnmacht gegenüber kirchlichen Dynamiken, die jenseits der Rechtsstaalichkeit liegen. Die Versetzung aufgrund einer nachhaltigen Störung (früher: Nichtgedeihlichkeit) gemäß §§79- 80 PfDG.EKD schaffen in dem oben beschriebenen System einen Raum für Willkür und Machtmissbrauch. Das Machtvakuum, das entsteht, weil niemand zuständig ist und keiner verantwortlich, weil es nicht einmal ein Fehlverhalten gibt, aufgrund dessen die Versetzung angeordnet wird, öffnet Denunziationen, unsubstantiierten Beschuldigungen, Rechtswidrigkeiten und Intrigen Tür und Tor: eine Situation, die Pfarrpersonen in eine Position der Ohnmacht versetzen, weil sie nicht wissen, wie sie sich wogegen und vor wem rechtfertigen können. §25



David gegen Mobbing
Die EKD-weite Organi­sation D.A.V.I.D. hat sich zum Ziel gesetzt, politisch und struk­turell gegen Mobbing in der evan­geli­schen Kirche vorzu­gehen. Hier finden Sie Bera­tung und Infor­mationen, wenn Sie sich mit einem Ver­fahren aufgrund einer nachhal­tigen Störung, früher: Nichtgedeih­lichkeits­verfahren konfron­tiert sehen.
www.david-gegen-mobbing.de